Radione Auto- und Reiseempfänger R2

           

Radione R2                       

                                 

Die Firma RADIONE wurde 1924 von Nikolaus Eltz (Radione = RADIO Nikolaus Eltz) und seinem Bruder Theodor in Wien gegründet und produzierte bis 1977 Radios. Der große Wurf gelang 1938/39 mit dem Auto- und Reiseempfänger R2. Dieses Gerät war in den Dreißiger und Vierziger Jahren das Synonym für Kofferempfänger. 
Technisch bot der R2 einige Besonderheiten. Es kamen nicht die damals üblichen großen Batterieröhren (K-Serie) zum Einsatz, sondern die neu von Telefunken und Valvo entwickelten kleinen Stahlröhren für den Einsatz im Netz (E-Serie).
Betrieben wurde das Gerät aber nicht nur mit Wechselspannung, sondern auch aus dem Kraftfahrzeug-Akku, indem die Gleichspannung der Batterie mit einem Zerhacker in eine Wechselspannung umgewandelt und daraus über den Netztrafo und Gleichrichtung die Anodenspannung erzeugt wird.
Seine hervorragenden Empfangseigenschaften sind dem Badfiltereingang und einer abstimmbaren HF-Vorstufe mit der rauscharmen EF13 geschuldet.
Die relativ leistungsstarke NF-Gegentakt-Endstufe mit der Röhre EDD11 konnte bis 4 Watt Sprechleistung an den Lautsprecher abgeben.
 

Das Gehäuse war aus Stahlblech und überaus stabil. Der R2 war mit über 10 kg kein Leichtgewicht und auch kein Stromsparer. Trotzdem war er bei der Wehrmacht als Truppenbetreuungsempfänger sehr beliebt. Neben der Speisung mit 6 V wurde es auch für 12 V (KFZ) und 24 V (U-Boot-Einsatz) ausgelegt. Der quadratische Blockstecker für den Netzanschluss ist gleichzeitig Spannungswähler.
Ab 1942 wurde parallel zum R2 der speziell für den militärischen Einsatz modifizierte R3 produziert. Dieser hatte eine zusätzliche EBC11 als BFO-Oszillator zum Empfang der Funk-Telegrafie; der Freiraum auf dem Chassis war schon im R2 dafür vorgesehen.
 
Das Chassis ist von der Rückseite durch Öffnen mittels Flügelschraube zugänglich. Alle Komponenten sind solide montiert und abgeschirmt. 
Die Abschirmung des Apparates ist so gut, dass er ohne Antenne keinen Ton abgibt; wenigstens ein Stück Draht in der Antennenbuchse ist notwendig.
Mein Gerät ist mit einem im Abstimmknopf integrierten Getriebe (1:6) zur präzisen Senderwahl ausgestattet. 

 

Während des 2.WK fehlten oft Materialien und Zubehör, dies zeigte sich in der Vielfalt der Ausstattung; der Stromlaufplan war nur bedingt zutreffend. Nach dem Krieg wurde bis 1949 im wesentlichen mit Restbeständen produziert; es änderten sich die Stationen auf der Skala.
 

Radione Logo

 

Aus einem Zeitungsartikel vor 48 Jahren (ER-Handel 1965 Heft 4):
"Im Jahr 1938/39 erbrachte RADIONE wieder eine Pionierleistung der österreichischen Radioindustrie.
Erstmalig wurde ein verhältnismäßig kleines Gerät in Kofferform und mit Metallgehäuse entwickelt, das für Kurzwellen, Mittelwellen und Langwellen konstruiert war und auf allen Bereichen mit einer sehr wirksamen HF-Verstärkerstufe arbeitete. Die Besonderheit dieses Gerätes bestand jedoch darin, daß es nicht nur für den Betrieb mit allen in Wechselstromnetzen gebräuchlichen Spannungen geeignet war, sondern auch an die Autobatterie angeschlossen werden konnte. Dieser RADIONE-Empfänger mit der Bezeichnung „R2“ war somit einer der ersten brauchbaren Autoempfänger Europas und wies einen außerordentlich geringen Störpegel bei Betrieb in einem Kraftfahrzeug auf. Diese Konstruktion hat den heute so beliebten Universalempfänger für Heim, Reise und Auto, mit der Leistung eines Spezial-Autosupers also bereits vor fast 30 Jahren verwirklicht. Die Erzeugung des R2 wurde fast bis Kriegsende fortgeführt und insgesamt dürften mehr als 50 000 Geräte dieser Type hergestellt worden sein. Alle elektrischen und akustischen Eigenschaften des R2 waren für den damaligen Stand der
Technik so außerordentlich, daß dieser Empfänger auch während des Krieges von der Marine und von der Luftwaffe in großen Stückzahlen verwendet wurde. Dieser Umstand machte es der Firma RADIONE auch während des Krieges möglich, die Produktion von Rundfunkempfängern im wesentlichen beibehalten zu können. RADIONE Geräte wurden bis zum Ausbruch des Krieges in alle Teile der Welt exportiert und erwarben sich durch äußerst sorgfältige Konstruktion, optimale Materialauswahl und strengste Kontrollen in aller Welt das Symbol der Zuverlässigkeit."

  

Die technischen Daten des Radione R2:

Hersteller Radione, Nikolaus Eltz
Typ R2
Nummer  
Herstellungsort Wien
Baujahr 1938 - 1949
Kaufpreis (Neupreis) 328 RM 
Kreise 7 AM inkl. Vorstufe
Bauelemente  
  Röhren EF13, ECH11, EF12, EBC11, EDD11, EZ11
  Transistoren  
  Schaltkreise  
Wellenbereiche KW, MW, LW
Lautsprecher elektro-dynamisch
Ausgangsleistung 4 W 
Gehäuse Stahl
Abmessungen BxHxT 350 x 235 x 175 mm
Gewicht 10,4 kg
   
Stromversorgung 6 V (/ 12 V)  Gleichspannung, 110/150/190/220 V Wechselspannung
inkl. Netzteil ja
   
Zustand funktionstüchtig

  

Mit 328 RM hatte das Gerät einen stolzen Preis, wenn man bedenkt, dass das damalige Spitzengerät von Philips, das Tischgerät Aachen-Super D52 mit 7 Verbundröhren inklusive Magischem Auge und mit Monoknopfbedienung für Sender, Lautstärke und Klangfarbe nicht teuer war.

  

Ansichten des Radione R2:

 

Innenansicht von hinten Innenansicht von vorn
Rückansicht

 

Die Radione Modellpalette mit der markanten Gehäuseform:

Bild Typ Abmessungen in mm Gehäuse Gewicht in kg Röhren Baujahr ab
R2 R2 350x235x175 Stahl 10,4 EF13, ECH11, EF12, EBC11, EDD11, EZ11 1939
R3 R3 10,5 EF13, ECH11, EF12, 2xEBC11,  EDD11, EZ11 1942
R9 R9 315x210x155 Alu    6,5 ECH42, 3xEAF42,  EL41, EZ41 1950
R12/15 R12    6,6 DK92, 2xDAF41,  DL94 1952
R15 DK92, 3xDAF41,  DL94 1953
R20/25 R20/UKW 320x235x135 Holz, Kunstleder    4,4 DC90, DK96,  3xDF96,  DAF96, DL96 1955
R25T/UKW    4,6 DF97, DK96, 3xDF96, 2xOC71, 4xOC72 1956

  

Es ist ein sehr schönes Gerät geworden:

Radione R2

Der Schaltplan des Standardgerätes:

Schaltplan Radione R2 Standard

Radio-Sammlung